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Der Guattari-Deleuze-Effekt 


Zurück zum Heft: ZMK Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung 2/1/2011: Offene Objekte
EUR 14,90


Statt von einem Guattari-Effekt auf Deleuze muss man von einem Guattari-Deleuze-Effekt sprechen, um ein wechselseitiges Einwirken in einem gemeinsamen Projekt zu beschreiben, das mit dem Herausgehen aus der klassischen Psychoanalyse beginnt und in den Umbau der Philosophie in der Öffnung auf ihr Außen mündet. Dieser Umbau lässt das Paradigma der Interpretation ebenso hinter sich wie jenes der Struktur. In der Kritik an Lacan vollziehen Deleuze und Guattari die Abkehr vom Postulat des Primats der Sprache als Struktur und eines durch sie immer schon konstituierten und vom Realen ebenso wie von kollektiven Individuationsprozessen abgeschnittenen Subjekts. Die heterogenen Ausdrucksmaterien Hjelmslevs, die das Aufbrechen der Opposition von Sprachzeichen und Materie ermöglichen sowie die Konzepte der Wunschmaschine und mehr noch des Gefüges eröffnen den Weg hin zu einem Politisch-Werden der Philosophie als Wiederaneignung der Produktionsmittel kollektiver Subjektivität.

In order to understand the collaborators' mutual impact in a joint project that began with Deleuze and Guattari's transgression of classical psychoanalysis and advanced to their complete remodeling of philosophy, the notion of a »Guattari-Deleuze-effect« is more adequate than the presumption an unilateral »Guattari-effect« upon Deleuze. Furthermore, Deleuze's and Guattari's concerted efforts leave the paradigms of »interpretation« and »structure« behind; in their critique of Lacan, Deleuze and Guattari turn away from the primate of language as structure and the postulate of an always already constituted subject that is cut off both from the real and from collective processes of individuation. Finally, the concept of a heterogeneous »matter of expression,« which, borrowed from Hjelmslev, allows opening up the opposition between linguistic sign and matter, as well as the concepts of »desiring-machine« and »assemblage«, clear the way towards a becoming-political of philosophy, understood as reappropriation of collective subjectivity's means of production.