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Philosophische Werke. Band 3. Über die Beredsamkeit in der Volkssprache


Philosophische Bibliothek 465. 2007. De vulgari eloquentia I Lateinisch–deutsch. Übersetzt von Francis Cheneval, mit einer Einleitung von Ruedi Imbach und Irène Rosier-Catach und einem Kommentar von Ruedi Imbach und Tiziana Suarez-Nani. XXXVI, 182 Seiten.
978-3-7873-1126-2. Leinen
EUR 78,00


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In dieser Schrift begründet Dante die Priorität der Volks- und Muttersprache vor der lateinischen Gelehrtensprache und fordert eine italienische Hochsprache. Er untermauert seine Ausführungen durch eine anthropologische Erörterung der menschlichen Sprachfähigkeit. Dank einer originellen Interpretation des biblischen Mythos vom Turmbau von Babel legt er eine vernünftig begründete Neubewertung der Vielfalt und der historischen Entwicklung der Sprachen vor.

Das Problem der Sprache stellt sich im Denken Dantes in zweifacher Weise: als Problem der Sprache der Philosophie und unter dem Gesichtspunkt der Philosophie der Sprache. In "De vulgari eloquentia" bietet Dante ein ganzes Arsenal metaphysischer Paradigmen auf, um der sprachlichen Verständigung der Menschen eine unvordenkliche Dignität zu geben. Er stellt die gesamte Philosophie in den Dienst des Menschen als sprechendes Wesen.

Auch wenn Dante die Doppelbestimmung der Sprache als sinnliches Zeichen, das den Gedanken des einen Menschen einem andern zu vermitteln fähig ist, von der Tradition übernimmt, setzt er andere Akzente. Die Sprache der Menschen ist nicht nur eine im Vergleich zur Transparenz der reinen Geister unvollkommenere Form der Kommunikation, sondern sie wird positiv als die dem Menschen gänzlich angemessene und entsprechende Form der Kommunikation interpretiert: Das Sprechen ist der "herausragende Akt des menschlichen Geschlechts".

Mit dem Erscheinen von "De vulgari eloquentia" liegt die vierbändige Ausgabe der Philosophischen Werke Dante Alighieris vollständig vor.
Bislang erschienen
Bd. 1: Das Schreiben an Cangrande (PhB 463)
Bd. 2: Disputation über das Wasser und die Erde (PhB 464)
Bd. 4: Das Gastmahl I-IV (PhB 466a-d)
Einfach großartig sind das Register der Namen und Sachen sowie das Literaturverzeichnis, unschlagbar die die Traditionen und damit erst das Innovative aufzeigende Kommentare. Endlich haben wir auf deutsch also auch eine an die Mengaldo-Ausgabe heranreichende Edition.
Zs. Italienisch Nr. 61 (Mai 2009)

Zusammenfassend ergibt sich das Bild einer fundierten Textausgabe, die die Überlegungen Dantes auf kompetente Weise in die sprachphilosophische Tradition der Zeit einordnet und sie somit in ihren wesentlichen Positionen transparent macht. Zweifellos stellt die Übersetzung und Kommentierung eines zentralen sprachtheoreitschen Textes eine eigenständige, innovative Forschungsleistung dar. Die vorliegende Ausgabe vermag in diesem Sinne unser Verständnis von Dantes 'De vulgari eloquentia' wesentlich zu bereichern.
Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen, Bd. 247, Jg. 162 (2010)