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Ästhetisches Selbstbewusstsein und Urteilsvermögen in Kants Analytik des Schönen


Zurück zum Heft: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft Band 52. Heft 1
DOI: 10.28937/1000108293
EUR 16,90


Gemäß der üblichen Auslegung besteht Kants maßgeblicher Beitrag zur Philosophie darin, eine Position entwickelt zu haben, die das Dilemma zwischen zwei gleichermaßen unbefriedigenden Konzeptionen unseres Urteilsvermögens überwindet: der empiristischen Konzeption, der zufolge der letzte Grund des Urteilens in Akten der Empfindung zu finden ist, und der rationalistischen Konzeption, der zufolge der letzte Grund in Erkenntnissen besteht. In meinem Text konzentriere ich mich auf Kants Analyse der Schönheitsurteile und argumentiere, dass Kant in seiner Analytik des Schönen nicht einfach ein anderes Verständnis vom Begriff der Schönheit entwickelt, sondern dass er eine andere Vorstellung davon hat, was es bedeutet, ein solches Verständnis zu haben. Kants sogenannter Mittelweg stellt die Annahme infrage, dass der Philosoph oder die Philosophin den Begriff der Schönheit von außerhalb desjenigen Selbstbewusstseins untersuchen kann, das derjenige hat, der kompetent über Schönheit urteilt. Nach dieser Lesart ist Kants Darstellung der Schönheitsurteile deswegen von besonderem Interesse für die Philosophie, weil Schönheitsurteile eine Form besitzen, die die Form jener philosophischen Urteile widerspiegelt, die diese Form artikulieren. According to the standard interpretation, Kant’s major contribution to philosophy consists in his position that overcomes a dilemma between two equally dissatisfying positions on how we understand our capacity for judgments: the so-called empiricist position, according to which the ultimate ground for judgment is to be found in acts of sensibility, and the so-called rationalist position, according to which its ultimate ground is to be found in cognitions. In my paper I focus on Kant’s analysis of the judgment of beauty and argue that in his analysis of beauty Kant does not simply develop another understanding of the concept of beauty, but that his understanding of beauty manifests a different conception of ›what it means to have such an understanding‹ in the first place. Kant’s so-called middle course calls into question the assumption that the philosopher can investigate the concept of beauty from outside the self-consciousness that constitutes the capacity of his competent judgment of beauty. According to this reading, Kant’s account of judgments of beauty is of special interest to philosophy because they turn out to have a form that, in a certain respect, mirrors the form of philosophical judgments which attempt to articulate this form