Fehler gefunden?
English Deutsch

ZMK Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung 6/2/2015: Sendung


Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung (ZMK) 6/2. 2015. 176 Seiten.
978-3-7873-2832-1. E-Book
EUR 19,99


Nutzungsrechte: Unbegrenzt im Webbrowser online lesen, unbegrenzt Texte herauskopieren, einmaliger Druck und Download (PDF) von je 50 Seiten, Volltext durchsuchen, Markieren, Notizen und Lesezeichen anlegen.

» Weitere Hinweise zum Erwerb und zur Nutzung von eBooks in der eLibrary.




Im Buch blättern

Abstracts


Jens Schröter: Das mediale Monopol des Staates und seine Verteidigungslinien


Auch in freiheitlichen Demokratien gibt es mediale Formen und Verfahren, die staatlich monopolisiert sind. Dies sind die Verfahren zur Sicherung und Stabilisierung der Echtheit von Geld und staatlichen Dokumenten, also den zentralen Medien von Ökonomie und Staat. Im Sinne einer noch zu schreibenden Mediengeschichte des Staates stellt der Aufsatz diese Formen und Verfahren der Echtheitssicherung dar und zeigt auf, wie immer wieder auf neue technologische Bedrohungen des medialen Monopols des Staates reagiert werden musste.


Even in liberal democracies there are media forms and procedures monopolized by the state. Such are the methods to secure and stabilize the authenticity of money and state documents, i. e. the central media of economy and the state. In terms of a media history of the state, the paper describes these forms and methods of securing authenticity and shows how the state had to respond to ever new technological threats to its media monopoly.


Glenn Peers: Framing and Conserving Byzantine Art at the Menil Collection: Experiences of Relative Identity


Conservation and exhibition of historical works of art run many risks of misrepresentation of the life and meanings of objects. This paper explores the identities of some particularly compelling examples of Byzantine art restored under special circumstances at the Menil Collection in Houston, Texas. This examination of the restoration of frescos and icons, and their particular display histories, reveals the contingencies of our encounters with and explanations of historical art.


Die Erhaltung und Ausstellung von historischen Kunstwerken geht viele Risiken in Bezug auf die Darstellung des Lebens und der Bedeutungen von Objekten ein. Dieser Beitrag untersucht die Identitäten einiger besonders fesselnder Beispiele byzantinischer Kunst, die in der Menil Collection in Houston, Texas unter besonderen Umständen restauriert wurden. Eine Untersuchung der Wiederherstellung der Fresken und Ikonen sowie ihrer jeweiligen Ausstellungsgeschichten offenbart die Kontingenzen unserer Begegnungen mit und Erklärungen von historischer Kunst.


Carmen Alfaro Giner: Das Einhüllen und Fesseln des Körpers in den indoeuropäischen Kulturen. Zu einigen Metaphern des magischen Schutzes vor Toten und Wiedergeborenen


Fäden, Seile und Textilien sind Elemente des Alltagslebens, die bereits früh in der Menschheitsgeschichte einen hohen technischen Entwicklungsstand erreicht haben. Das Spinnen des Fadens, eine der ältesten Formen des Wissens, scheint wie der Ursprung jeder Form der Technik untrennbar mit einer besonderen Mythologie verbunden zu sein. So müssen sich auch Fäden, Knoten und Gewebe, neben ihrer praktischen Anwendung, rasch mit symbolischen Bedeutungen aufgeladen haben. In diesem Beitrag sollen die Symboliken des Fadens, des Knotens und des Gewebes als Metaphern analysiert werden, die bisweilen mit dem Leben, bisweilen mit dem Tod in Verbindung stehen.


Threads, ropes and textiles are elements of everyday life, which have reached a high technical level of development early in human history. The spinning of the yarn, one of the oldest forms of knowledge, seems to be, like the origin of every form of art, inseparable from a particular mythology. Besides their practical use, threads, nodes and tissues must have been quickly charged with symbolic meanings. This article examines the symbolism of the thread, the node and the tissue as metaphors that are sometimes connected with life and sometimes with death.


Christian Demand und Ekkehard Knörer: Debatte: Debattenkultur


Eine Debatte ist ein öffentliches Streitgespräch, das gewissen Regeln folgt. Das Ziel einer Debatte ist nicht die Lösung eines Problems, wie in einer Diskussion, sondern Positionen zu markieren. In einer Debatte zählen nicht nur Argumente, sondern auch Polemik und der Mut zur These. Eine produktive Debatte bedarf neben von allen Teilnehmern akzeptierten Regeln auch einer sog. Debattenkultur. Christian Demand und Ekkehard Knörer führen eine Debatte zur Etablierung dieses Begriffs in den 1980er Jahren und entwickeln Thesen zu deren angeblichen Verschwinden durch die Beschleunigung von Debatten unter den Bedingungen der »Neuen Medien«.


A debate is a public dispute that follows certain rules. The goal of a debate is not the solution of a problem as in a discussion , but to point out positions. In a debate, not only arguments, but also polemics and the courage to take a stand are essential. Besides certain rules that are accepted by all participants, a debate needs a so-called debate culture in order to be productive. Christian Demand and Ekkehard Knörer lead a debate on the establishment of this concept in the 1980s and develop theses for its alleged disappearance caused by the acceleration of debates under the conditions of “new media.”


Jochen Hörisch: »Schicksal, also ein von einer höheren Macht Gesendetes, das wir empfangen sollen«. Über Sendungen und Sendungsbewusstsein


In dem Maße, in dem sich seit dem europäischen achtzehnten Jahrhundert die PostSende-Verhältnisse dramatisch verbessern, verblasst die Überzeugungskraft des religiösen Sendungsbewusstseins. Verwunderlich ist das nicht. Von einem göttlichen Anruf, einem Kerygma erreicht zu werden, soll, ja muss eine exquisite Ausnahme von den Regelmäßigkeiten des Alltagslebens sein. Viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt (Matthäus 22,14). In nur einigermaßen aufgeklärten Zeiten ist die Frage nach der Verlässlichkeit der himmlischen Postund Sendeverhältnisse nicht zu unterdrücken. Jeder kann jedem (zunehmend ohne Angst um Leib und Leben) bestreiten, der rechte Adressat göttlicher Sendungen zu sein. Intersubjektiv verbindliche Sendeverhältnisse zwischen Himmel und Erde gibt es nicht; diese höhere Trivialität wird seit 1750 aussagbar und aufschreibbar. Komplementär dazu steigt – trotz enormer Komplexitätsgewinne – die Kontrollierbarkeit irdischer Sendeverhältnisse.


To the extent in which postal ‘sending,’ the successful delivery of messages, dramatically improves since the European eighteenth century, the persuasiveness of the religious sense of mission or ‘sending’ is fading. This is not surprising. To be reached by a divine call, by a Kerygma, should, indeed must be an exquisite exception of the regularities of everyday life. Many are called but few are chosen (Matthew 22:14). In somewhat enlightened times, the question of the reliability of heavenly sendings cannot be suppressed anymore. Anyone can deny anyone to be the truthful addressee of divine sendings. There are no intersubjectively binding states of transmission between heaven and earth: this higher triviality is predicable and writable since 1750. Complementary to this development, the controllability of terrestrial sendings increases– despite enormous gains in complexity.


John Durham Peters: Gott und Google


Both the structure of the Google search algorithm and the rhetoric surrounding the company suggest Google’s aspiration to attain the classic theological status of omniscience. Understanding how Google performs online searches shows that this most characteristic of all digital media corporations fits in a long lineage of religious media that claim to operate ontologically.


Sowohl die Struktur des Google-Suchalgorithmus als auch die Rhetorik rund um das Unternehmen machen den Anspruch Googles deutlich, den klassischen theologischen Status der Allwissenheit zu erreichen. Wenn man versteht, wie Google Online-Recherchen durchführt, erkennt man, dass dieses charakteristischste aller digitalen Medienunternehmen in einer langen Tradition religiöser Medien steht, die in Anspruch nehmen, auf eine ontologische Weise zu operieren.


Daniela Wentz: Wozu senden? Sendevisionen im Ersten und Dritten Fernsehzeitalter


Unter den Institutionen des Sendens stellt das Fernsehen mit Sicherheit die über lange Jahrzehnte erfolgreichste dar. Gleichwohl wird angesichts der mit der Digitalisierung einhergehenden, das Senden und die Sendungen weitreichend betreffenden Veränderungen, die das Medium unterläuft, vielerorts und nicht völlig grundlos die Post-Broadcast-Ära ausgerufen. Anhand der Lektüre verschiedener Serien werden diese Veränderungen hier nachvollzogen und untersucht. Das Sendungsformat der Serie erscheint für ein solches Unterfangen besonders geeignet, weil das Senden des Fernsehens zutiefst mit der Serialität und dem Seriellen als Prinzip verknüpft scheint. An den Formen und Veränderungen des Seriellen lassen sich auch die Veränderungen des Fernsehsendens ablesen.


Among the many institutions of sending, television certainly represents the most successful one over long decades. Nevertheless, given the changes that the medium incurs in terms of broadcasting and broadcasts as a consequence of digitalisation, many proclaim – and not entirely without reason – the post-broadcast era. This paper studies these changes by way of a reading of different television series. The format of the series seems particularly suitable to this end, since the broadcasting of television seems deeply linked to seriality and the serial as a principle. The changes in television broadcasting can be gleaned from the forms and changes of the serial.


Markus Stauff: The Second Screen: Convergence as Crisis


This article takes the second screen – television-related use of smart phones and tablet computers – as a starting point to discuss how current culture is shaped by the ever more heterogeneous connections between multiple devices, texts and platforms. They form unstable assemblages that simultaneously highlight and undermine the specific affordances of their elements. Focusing first on technical and industrial and then on practical and domestic procedures of creating connections, the current media landscape will be described as ›convergence as crisis‹: While media indeed become increasingly more interconnected, the connections themselves and the shape of the assemblage in its entirety are ephemeral, unstable and vague. Convergence mainly exists and is generated through being in crisis.


Dieser Artikel nimmt den ›zweiten Bildschirm‹ – TV-bezogene Nutzung von Smartphones und Tablets – zum Ausgangspunkt, um die immer heterogeneren Verbindungen zwischen mehreren Geräten, Texten und Plattformen zu diskutieren, von denen die zeitgenössische Kultur geformt wird. Sie bilden instabile Assemblagen, die die spezifischen affordances (Aufforderungscharaktere) ihrer Elemente gleichzeitig hervorheben und untergraben. Indem der Fokus zunächst auf technische und industrielle, sodann auf praktische und heimische Verfahren der Herstellung von Verbindungen gelegt wird, wird die aktuelle Medienlandschaft als »Konvergenz in der Krise« beschrieben: Während Medien in der Tat immer mehr miteinander verbunden werden, bleiben die Verbindungen selbst und die Form der Montage in ihrer Gänze flüchtig, instabil und vage. Konvergenz entsteht und besteht als In-der-Krise-sein.


Anett Holzheid: Sendungsbewusstsein im Zeitalter der Kurzkommunikation. Die Postkarte


Als eine Neuerung der industriellen und postalischen Moderne des ausgehenden 19. Jahrhunderts steht die Postkarte in medienkultureller Differenz zum Brief. Ist für jenen der paradigmatische Akt verbaler Intensität und Extension (des »Schreibens« oder »Verfassens«) konstitutiv, repräsentiert die Postkarte ein gegenläufiges Modell der Reduktion und Substitution der Schrift. Die Postkarte symbolisiert das pointierte Signal, dessen Wert aus der Könnerschaft des Sendens bezogen wird. Aufzuzeigen, in welcher Weise das Kurzkommunikationsmedium maßgeblich an der Herausbildung einer modernen Kultur der Sendung beteiligt war, ist Ziel des Beitrags.


As a novelty of the industrial and postal modernism of the late 19th century, the postcard differs from the letter in terms of media culture. While the paradigmatic act of verbal intensity and extension (of “writing” or “composition”) is constitutive for the latter, the postcard represents an opposing model of reduction and substitution of scripture. The postcard symbolizes the trenchant signal whose value is obtained from the mastery of sending. To show in what way the medium of short communication has been instrumental in the emergence of a modern culture of “sending” is the aim of this paper.


Barbara Cassin: Google Control. Ein Gespräch mit Barbara Cassin


Google ist nicht nur ein weltumspannender Konzern, der wie kein zweiter für die Macht einer Suchmaschine im Besonderen und des Internets im Allgemeinen einsteht. Barbara Cassin analysiert in diesem Gespräch aus dem Jahr 2009 die Rhetorik und das Sendungsbewusstsein von Google, das darin besteht, »die gesamte Information der Welt zu organisieren«. Dieser von Cassin als global, gewalttätig und total charakterisierte Anspruch beeinflusst auch zeitgenössische Vorstellungen von Demokratie, Kultur und Wissenschaft. Dass dieser Einfluss nicht nur positive Effekte hat, wird im Verlauf des Gesprächs deutlich.


Google is not only a worldwide enterprise that represents like no other the power of search engines and the Internet in general. In this interview from 2009 Barbara Cassin analyzes Google’s rhetoric and sense of mission, which is “to organize all the information in the world.” Cassin characterizes this claim as global, violent and total, and shows that it also influences contemporary notions of democracy, culture and science. In the course of the conversation, it becomes clear that this influence not only has positive effects.