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ZMK Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung 1/2/2010: Medienphilosophie


Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung (ZMK) 1/2. 2013. 215 Seiten.
978-3-7873-2503-0. E-Book
EUR 19,99


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Abstracts

Richard Dyer: Singing Prettily: Lena Horne in Hollywood
Lena Horne war die erste Afro-Amerikanerin, die bei einem großen Hollywood-Studio unter Vertrag genommen wurde – wenn dieses dann auch nichts mit ihr anzufangen wußte. Die ›Farbe‹ – in ihrer Stimme wie auch in ihrer äußeren Erscheinung – bedeutete, dass sie nicht in die Rassenhierarchie der Zeit passte; sie wurde daher weitgehend an den Rand gedrängt. Dennoch gelang es ihr, gemeinsam mit anderen Afro-Amerikanern in Hollywood, einen gewissen Eindruck von afro-amerikanischer Modernität im Hollywood-Kino zu hinterlassen. Dieser Aufsatz ist folglich eine Fallstudie von kultureller Produktion als Kampf.

Lena Horne was the fi rst African-American woman to be signed to a contract to a major Hollywood studio, who did however not know what to do with her. Her ›colour‹ – in her voice as well as her looks – meant that she did not fi t into the racial hierarchies of the day and she was largely confined oppressively to the margins. However, she was also able to some degree, and in collaboration with other African-American figures in Hollywood, to use this to give a glimpse of African-American modernism in Hollywood cinema. This is thus a case study of cultural production as struggle.

Mario Perniola/ Sarah Fiona Mclaren: Die politische Bedeutung der pornografischen Kehre
Der Text sucht nach einer politischen Erklärung für die Kehrtwende, die der Westen ab den sechziger und mehr noch seit den siebziger Jahren in seiner Haltung gegenüber der Pornografie vollzogen hat. Erstaunlicher noch als die Freigabe der Pornografie selbst erscheint die massenhafte pornografische Selbstdarstellung auch von minderjährigen Jugendlichen seit der Jahrtausendwende. Neben den Gründen für diese im Kulturvergleich außergewöhnliche Permissivität geht es um die Rolle von technischen audiovisuellen und sozialen Medien in dieser Entwicklung.

The text is looking for a political explanation of the turn in Western attitude to pornography which has taken place since the sixties and even more so since the seventies. More surprising than the liberalization of pornography itself appears the massive pornographic self-exposure even by minors since the turn of the millennium. In addition to the reasons for this extraordinary permissiveness, the paper questions the role of technical and audiovisual media in this social development.

Bettine Menke: Alphabetisierung. Kombinatorik und Kontingenz. Jean Pauls Leben Fibels, des Verfassers der Bienrodischen Fibel
Jean Pauls Leben Fibels, des Verfassers der Bienrodischen Fibel setzt sich in ein spezifisches Verhältnis zur Alphabetisierung, indem er das Alphabet mit dem genannten Fibeltext als Matrix des eigenen Produzierens kenntlich macht. Nicht nur verweist der Text derart sich selbst und alle seine Sinneffekte auf die Arbitrarität seiner Elemente und deren Kombinatorik zurück, sondern er fingiert sich am Rande des Buches als der Kontingenz seiner vorbuchstäblichen Physis preisgegeben, die durch Sinn, Autorität, Autorschaft und Werkherrschaft verdrängt wird.

Jean Paul’s novel The Life of Fibel, Author of the Bienrodische Fibel places itself in a specific relation to literacy by identifying the alphabet and the spelling-book as a matrix of its own production. Thus, the text refers itself and its sense-effects back to the arbitrariness of its elements and their combinatorics. Moreover, at the margins of the book, it feigns to be abandoned to the contingency of its preliteral physis which is suppressed by sense, authority, authorship and control of the work.

Sybille Krämer: Übertragen als Transfiguration oder: Wie ist die Kreativität von Medien erklärbar?
In welchem Verhältnis stehen Übertragung und Kreativität bei Medien? Die Hypothese des Aufsatzes ist, dass Übertragung als Transfiguration zu begreifen ist. Dies wird anhand des Mediums der Linie erörtert, die sowohl Abbild und Spur einer Geste wie auch Entwurf und freie Gestaltung ist. Der Linie eignet ein Doppelleben: sie ist empirisches Vorkommnis und ›Gedankending‹; sie verwandelt eine Fläche in einen Experimentier- und Denkraum, in dem abstrakte Gegenstände anschaulich gemacht werden, sodass mit ihnen operiert werden kann. Die Transfiguration von Anschaulichem in Denkbares und umgekehrt ist die epistemische Grundfunktion der Linie.

What is the relationship between transport and creativity in media? This paper suggests that transport is to be understood as transfiguration. This hypothesis is discussed on the basis of the line as medium, which is at the same time the image and trace of a gesture as well as a sketch and free creation. The line leads a double-life: it is empirical occurrence and ›ideal thing‹; it transforms a plane into an experimental space, in which abstract objects are rendered visible and thus operable. The main epistemic function of the line is to transfigure the intuitive into the rational and vice versa.

Frank Hartmann: »Unter die Haut der Welt«. Philosophical Toys, Metatechnik und transanthropologischer Raum
Der Aufsatz argumentiert mit dem Computer-Philosophen Max Bense, dass sich die anthropologischen Bedingungen durch die Einführung einer Technologie, die den menschlichen Sinnen nur indirekt zugänglich ist, grundlegend ändern. Seiner Argumentationslinie von Organ-Projektion zu Kybernetik folgend, können Medien als Technologien verstanden werden, die einen transanthropologischen Bereich etablieren. Informationen als gegebenes Drittes zwischen Subjekt und Objekt und ermergierende algorithmische Artefakte stellen eine vielfältige Herausforderung für Medienphilosophie dar.

This paper argues with the philosopher Max Bense that the anthropological condition changes fundamentally with the introduction of a technology that is accessible only indirectly for the human senses. Following his line of argument from organ-projection to cybernation, media are interpreted as technologies of explicitness, which establish a trans-anthropological realm. Information as a given third between subjects and objects, and emerging algorithmic artefacts present manifold challenges to media philosophy.

Pierre Lévy: Der schöpferische Austausch im digitalen Medium
Die sozialen Medien des auf Zusammenarbeit basierenden Web lassen sich als Werkzeuge des persönlichen und sozialen Wissensmanagements verstehen. In diesem Rahmen bildet der schöpferische Austausch eine aktive Schnittstelle, welche die empirischen und lokalen Wissensbestände in explizites und global teilbares Wissen umwandelt.
In einem weiteren Schritt erlaubt er es, das explizit gemachte Gedächtnis in persönliches, praktisch umsetzbares Wissen zu übertragen. Dieser Artikel entwirft die Perspektive eines neuen symbolischen Mediums, das es eigens zu entwerfen gilt, um die Leistungsfähigkeit des schöpferischen Online-Austauschs zu erhöhen.

The social media of the Web can be understood as tools for the personal and social management of knowledge. In this framework, the creative exchange provides an active interface which transforms the empirical and local stocks of knowledge into explicit and globally shared knowledge. In a further step, it allows to transport the memory, once being made explicit, into personal and practically applicable knowledge. This paper presents the vision of a new symbolic medium which would increase the efficiency of creative online-exchange.

Erich Hörl: Die künstliche Intelligenz des Sinns. Sinngeschichte und Technologie im Anschluss an Jean-Luc Nancy
Der Beitrag begreift Jean-Luc Nancys sinngeschichtlichen Entwurf und insbesondere sein Denken der Exteriorisierung als Ausdruck und Durcharbeitung der technologischen Bedingung, wie sie die kybernetische Maschinen- und Objektkultur charakterisiert. Die Begeisterung für das Offene und Außen, die einen breiten Strang der philosophischen Politik seit 1950 auszeichnet und bei Nancy kulminiert, wird auf den Boden der supplementären, prothetischen, transkategorialen Logik der technischen Welt gestellt.

The paper presents Jean-Luc Nancy’s outline of a history of sense and especially his thinking of exteriorization as an expression and working-through of the technological condition which characterizes the cybernetic culture of machines and objects. Furthermore, the paper suggests to ground the enthusiasm for the open and external (which is dominant in philosophical politics since 1950 and culminates in Nancy’s work) in the supplementary, prothetic and transcategorical logic of the technical world.

Lorenz Engell: Unter Aufsicht. Medium und Philosophie in Woody Allens Filmkomödie
ANNIE HALL
Philosophie und Komödie sind Parallelunternehmungen der Selbstdistanzierung. Während aber die Philosophie die Distanznahme konsequent durchführt, wird sie von der Komödie zugleich paradoxiert und unterlaufen. Das verschafft der Komödie einen Reflexionsvorsprung besonders da, wo sie den aller Reflexion zugrunde liegenden materiellen Körper, ihr Medium nämlich, reflektiert. Dieser Vorgang wird hier anhand von Woody Allens Film Annie Hall beobachtet. Die Medien-Philosophie dieses Films wird so gegen eine Philosophen-Philosophie desselben Films kontrastierbar.

Philosophy and comedy are parallel enterprises of self-detachment. But while philosophy consistently carries out the detachment, comedy underlines its contradictions and undermines it. Thus, comedy gains an advantage especially where it reflects upon the material body which underlies every reflection, namely, its medium. My paper observes this process by studying Woody Allen’s Annie Hall. Thus, the media-philosophy of the film can be contrasted against a philosopher’s philosophy of the very same film.

Christiane Voss. Auf dem Weg zu einer Medienphilosophie anthropomedialer Relationen
Der Aufsatz versteht sich als ein Plädoyer für eine irreduzibel relationalistische Herangehensweise an anthropomediale Relationen, in denen Mensch und Medium immer schon dynamisch verknüpft sind. Ausgehend von den Merkmalen der Mensch-Kino-Beziehung rückt der Modus der Affizierung in den Vordergrund, der sowohl Existenzform wie Zugänglichkeit anthropomedialer Relationen regelt. Dass sich dies auch generell für Medien behaupten lässt, ist die Leitintuition dieses Aufsatzes. In Abgrenzung zur Affektvergessenheit der Medienwissenschaft und Philosophie, so lautet die zweite Leitintuition, wäre zudem mit der Erforschung der Verfahren und Logiken der affektiven Meta-Medialität ein eigenes Forschungsfeld der Medienphilosophie gewonnen.

The paper sees itself as a plea for an irreducibly relationalistic approach to anthropomedial relations in which man and media are always already dynamically linked. Based on the characteristics of the man-cinemarelation, the mode of aff ection comes to the fore that regulates both the form of existence and the accessibility of anthropomedial relations. In contrast to the common negligence of aff ects in media studies and philosophy, the investigation of practices and logics of affective meta-mediality could open a new field of study for media philosophy.

Dieter Mersch: Meta/ Dia. Zwei unterschiedliche Zugänge zum Medialen
Der Medienbegriff wird medienphilosophisch seit Benjamin aus der »Übersetzung« oder »Übertragung« gefasst. Christoph Tholen hat demgegenüber die Metapher im literalen Sinne von metapherein ins Zentrum gerückt. Der Artikel argumentiert, dass darin das »Meta«, das »inmitten« oder »über … hinaus«, dem im Lateinischen das »Trans« entspricht, ungedacht bleibt. Dagegen wird das griechische »Dia« gestellt, das die Entwicklung eines performativen Begriffs der Medialen erlaubt, der sich an materiellen Praktiken des Übergangs orientiert.

In media philosophy since Benjamin, the concept of medium is conceived in terms of »translation« or »transport«. In a similar vein, Christoph Tholen has brought the literal sense of »metaphor« as »meta-pherein« into focus. In my paper I argue that Tholen’s approach misses the »meta« (»in the middle« or »beyond«) of »metaphor«, corresponding to the Latin »trans«. This is contrasted with the greek »dia« that allows the development of a performative notion of medium, which orients itself at material practices of transition.