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Zeitstrukturen im Jazz


Zurück zum Heft: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft Band 59. Heft 1
EUR 14,90


Wie erlebt der Hörer Jazz? Bei dieser Frage geht es unter anderem um die Art und Weise, wie Jazz die Zeit des Hörens gestaltet. Ein an klassischer Musik geschultes Ohr erwartet von musikalischer Zeitgestaltung, den zeitlichen Rahmen, der durch Anfang und Ende gesetzt ist, von innen heraus zu strukturieren und neu zu konstituieren. Doch das ist keine Erwartung, die dem Jazz gerecht wird. Im Jazz wird der Moment nicht im Hinblick auf ein Ziel gestaltet, das von einer übergeordneten Struktur bereitgestellt wird, sondern so, dass er den Bewegungsimpuls zum nächsten Moment weiterträgt. Wie wirkt sich dieses Prinzip der Zeitgestaltung auf die musikalische Form im Großen aus? Der Aufsatz untersucht diese Frage anhand von Beispielen, an denen sich der Weg der Transformation von einer klassischen zu einer dem Jazz angemessenen Form gut nachverfolgen lässt.

How do listeners experience Jazz? This is a question also about how Jazz music organizes the listening time. A classically educated listener expects a piece of music to structure, unify and thereby re-constitute the externally given time frame. Such an expectation is foreign to Jazz music which doesn’t relate the moment to a goal provided by a large scale structure. Rather, one moment is carried on to the next, preserving the stimulus potentially ad infinitum. How does such an organization of time affect the large scale form? The paper tries to answer this question by analyzing two examples which permit to trace the transformation of a classical form into a form germane to Jazz music.