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Wahrheit und Methode bei Descartes

Eine systematische Einführung in die cartesische Philosophie


2001. X, 433 Seiten.
978-3-7873-1573-4. Kartoniert
EUR 28,90


Wahrheit und Methode bei Descartes" geht aus von der These eines zweifachen Neuanfangs der Philosophie durch Descartes. Wirkungsgeschichtlich dominierend war und ist der metaphysisch-erstphilosophische Ansatz des späten Descartes und seiner "Meditationes". Hier dagegen wird, im Ausgang von der unvollendeten Frühschrift, den "Regulae", eine Analyse und Interpretation von Descartes' erstem, 'methodologisch' zu nennendem Neuanfang der Philosophie vorgelegt. Unter Berücksichtigung auch der praktischen Philosophie Descartes' erscheint der Philosoph in einem anderen Licht als dem eines verkürzten Rationalismus.
Mit Blick auf das philosophische Anfangsproblem zeigt sich, daß schon der frühe Descartes in seiner Grundforderung nach einer durchgehend methodisch, intuitiv-deduktiv fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnis weder objektiv-realistisch bei den Dingen, noch subjektiv-idealistisch beim (empirischen) Subjekt, sondern erkenntniskritisch mit einer Analyse der Differenz-Einheit des Geistes, der Vernunft, des reflexiven Wissens selbst ansetzt.
" René Descartes als den 'Vater der Neuzeit' anzusehen, ist nach wie vor ein gängiger Topos der Philosophiegeschichtsschreibung. Mit seiner Suche nach dem 'archimedischen Punkt' aller Wahrheit und Gewißheit wird der Gesichtspunkt des Systems und damit die Frage nach dem philosophischen Ansatzpunkt zum unverzichtbaren Bestandteil jeder ernstzunehmenden philosophischen Prinzipienreflexion. Unter Berücksichtigung dieses entscheidenden Problems des Anfangs der Philosophie kann Descartes mit Husserls Worten als 'wahrhafter Anfänger der Philosophie' betrachtet werden - sowohl historisch wie systematisch.
Die vorliegende, im Horizont des philosophischen Gesamtwerks des Philosophen angesiedelte Monographie geht aus von der These eines 'zweifachen' Neuanfangs der Philosophie durch Descartes. Wirkungsgeschichtlich dominierend war und ist der metaphysisch-erstphilosophische Ansatz des späten Descartes und seiner Meditationes". Hier dagegen wird, im Ausgang von der unvollendeten Frühschrift, den "Regulae", eine Analyse und Interpretation von Descartes' erstem, 'methodologisch' zu nennendem Neuanfang der Philosophie vorgelegt. Mit Blick auf das philosophische Anfangsproblem zeigt sich, daß schon der frühe Descartes in seiner Grundforderung nach einer durchgehend methodisch, intuitiv-deduktiv fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnis weder objektiv-realistisch bei den Dingen, noch subjektiv-idealistisch beim (empirischen) Subjekt, sondern erkenntniskritisch mit einer Analyse der Differenz-Einheit des Geistes, der Vernunft, des reflexiven 'Wissens selbst' ansetzt. Indem sie so die Erörterung der methodischen Grundregeln für die Untersuchung der logischen Abhängigkeitsordnung der Erkenntnisse voneinander beginnen läßt mit der Reflexion auf die Mittel, Möglichkeiten und Grenzen der Erkenntnis selbst, zeugt schon die frühe Methodologie vom 'transzendental-genetischen' Grundcharakter von Descartes' Philosophie.
Die minutiöse, über den Textbestand der "Regulae" hinausgehende Rekonstruktion der theoretisch-praktischen 'Einheit und Universalität', der intuitiv-deduktiven, analytisch-synthetischen Grundstruktur sowie der um das empirisch-aposteriorische Erkenntnismoment erweiterten 'naturwissenschaftlichen Spezifizierung' der cartesischen Methodenkonzeption bildet den Hauptteil des vorliegenden Werkes.Abschließend wird untersucht, inwieweit der zweite, 'metaphysisch' zu nennende Neuanfang des reifen Descartes mit seiner Thematisierung des Verhältnisses von endlicher und unendlicher Vernunft und Freiheit als konsequente Erfüllung und Überbietung des ersten, methodologischen Neuanfangs verstanden werden kann. Durch die Entfaltung auch der praktischen Philosophie Descartes' am Leitfaden der 'sagesse', durch deren Beziehung auf die Methodenlehre und nicht zuletzt auch durch die eingehende Berücksichtigung des umfangreichen brieflichen Nachlasses läßt der Autor den Philosophen (und Menschen) Descartes in einem anderen Licht als dem eines verkürzten Rationalismus erscheinen. - "
Die Arbeit von Gerten ist dicht und intensiv argumentierend. Sie bildet für den Leser eine wissenschaftlich weiterführende und sehr lohnenswerte Lektüre, die eine konsequente und klare Deutung verfolgt. In differenzierter Weise und mit großer Textkenntnis werden fundamentale Themen und Probleme der Philosophie Descartes' dargestellt. Diese werden nicht historisierend unterbewertet, sondern systematisch ernst genommen und als solche vergegenwärtigt.
Rainer Schäfer in der Philosophischen Rundschau (53/1)