Fehler gefunden?
English Deutsch

Über den Lehrer

De magistro


Philosophische Bibliothek Sonderausgabe. 2006. De magistro Lateinisch-deutsch. Übersetzt und kommentiert von den Herausgebern. Mit einer Einleitung von Heinrich Pauli. LVI, 186 Seiten.
978-3-7873-1799-8. Kartoniert
EUR 14,90


Didaktik verfehlt ihr Ziel, wenn sie nicht darauf abhebt, das Eigeninteresse des Lernenden am Lernen zu wecken; dies zeigt Thomas, und darum ist seine Schrift "Über den Lehrer" noch heute aktuell.

Der Lehrer ist für Thomas von Aquin (1225-1274) eine Person, die – selbst im Besitz von Erkenntnis – einem anderen zu seiner eigenen oder einer weitergehenden Erkenntnis verhilft, und zwar so, dass der andere selbständig das erkennt, was es zu erkennen gilt. Lehre ist damit eine Tätigkeit, die es dem anderen ermöglicht, vollziehendes Subjekt von Erkenntnis zu werden und auf diesem Wege zugleich Selbsterkenntnis zu erlangen. Um sein Ziel zu erreichen, das heißt, um dem Schüler das selbständige Erkennen, das Lernen heißt, zu ermöglichen, stehen dem Lehrer zwei Wege offen: die mündliche Unterweisung, und sie ist für Thomas die vorzügliche Form der Lehre, und die augenfällige Demonstration. Für das Verständnis dessen, was Lehren und Lernen bedeutet, kommt es aber weniger auf diese zwei Wege an, als darauf, wie auf dem einen und auf dem anderen Wege die geistige Eigenaktivität des Lernenden erreicht wird, die ihm das Lernen ermöglicht.

Dieser Ansatz steht quer zu dem, was heute Didaktik genannt und als Didaktik gepriesen wird – und ist gerade darum (man bedenke: es handelt sich um einen Text aus dem Mittelalter!) höchst aktuell: Lehre ist nur dann erfolgreich und sinnvoll, wenn sie den Lernenden dazu motiviert, aus eigenem Interesse lernen zu wollen.

Die hier angebotene Sonderausgabe auf der Grundlage der Ausgabe dieses Textes in der "Philosophischen Bibliothek" bietet den vollständigen Text der Quaestio XI (Über den Lehrer) aus den "Quaestiones disputatae de veritate" und – ergänzend – den ersten der vier Artikel der "Summa theologiae, Teil 1, Quaestio 117" in einer parallelgeführten lateinisch-deutschen Edition mit einer sachgerechten Einleitung und einem umfassenden Kommentar.
Wenn der Mensch lehrt, dann nur durch Zeichen.
Thomas von Aquin

Das Buch bietet einen textkritisch gereinigten lateinischen Text sowie eine gelungene deutsche Übersetzung. Die Einleitung ist sowohl unter historischem wie sachlichem Gesichtspunkt sehr instruktiv. Der Kommentar führt den Leser in den Diskussionszusammenhang des Thomas gut ein und beleuchtet kundig die eigene Position des Thomas. Sehr gelungen ist etwa die Darstellung der Erkenntnislehre des Averroes.
Prof. Dr. Wilhelm Metz

Die vorzügliche Edition ist deshalb für Philosophen, Theologen und Pädagogen gleichermaßen bedeutsam. [...] Die Einleitung von Heinrich Pauli ist exzellent.
Prof. Dr. Käte Meyer-Drawe

Dem überarbeiteten lateinischen Text folgt eine gelungene, präzise Übersetzung. Besonders die genaue Ausarbeitung der originalen Textstruktur, anhand derer Thomas von Aquin seine Argumentation aufbaut, ermöglicht ein zielgerichtetes Kommentieren. Als Beispiel seien die Ausführungen zum zweiten Artikel von De magistro genannt.
Es wäre vermessen zu sagen, dass nur Pädagogen Nutzen aus den vorliegenden Werken ziehen könnten. Auch Philosophen und insbesondere Theologen werden gleichermaßen an den Erkenntnissen teilhaben, die weit über didaktische Gesichtspunkte hinausgehen, ja sogar das Fundament dieser bilden.
Patrick Mensel, in: Literaturkritik.de, Ausgabe Nr. 4, April 2008

Beachten Sie auch folgende Titel:

Über Seiendes und Wesenheit

Über Seiendes und Wesenheit

Quaestiones disputatae: Über Gottes Vermögen I

Quaestiones disputatae: Über Gottes Vermögen I