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System der Sittlichkeit

Critik des Fichteschen Naturrechts


Herausgegeben von Horst D. Brandt
Philosophische Bibliothek 457. 2002. Mit einer Einleitung von Kurt Rainer Meist. XXXIX, 85 Seiten.
978-3-7873-1114-9. Kartoniert
EUR 16,90


Der Nachweis der richtigen Zuordnung dieser Schrift, die nunmehr als eine Auseinandersetzung mit Fichte gelesen und gewertet werden muss, kommt dem Nachweis gleich, dass mit dieser Ausgabe eine bislang unbekannte Schrift Hegels erstmalig der Öffentlichkeit vorgelegt wird.

Die erste vollständige Edition des von Karl Rosenkranz mit "System der Sittlichkeit" überschriebenen Reinschriftentwurfs aus Hegels Nachlass erfolgte durch Georg Lasson (in: G. W. F. Hegel, Sämtliche Werke, Bd. 7: Schriften zur Politik und Rechtsphilosophie, Leipzig 1913, S. 415-499) als Band 144 der Philosophischen Bibliothek.

Die jetzt vorliegende Studienausgabe ist in allen Stücken eine völlige Neuausgabe auf der Grundlage der historisch-kritischen Edition des Textes (in: G. W. F. Hegel, Gesammelte Werke, Bd. 5: Schriften und Entwürfe 1799–1808. Unter Mitarbeit von Theodor Ebert herausgegeben von Manfred Baum und Kurt Rainer Meist, Verfasser des Anhangs Kurt Rainer Meist, Hamburg 1998, S. 279–361).

Die im Anhang von GW 5 enthaltenen editorischen Berichtsteile über das "System der Sittlichkeit" bieten neben der Beschreibung des Manuskripts eine ins Einzelne gehende Erörterung der Entstehungs- sowie der Überlieferungsgeschichte des Hegelschen Manuskripts, deren Argumentation von Kurt Rainer Meist auch in seiner Einleitung zu dieser Studienausgabe als Grundlage der Orientierung herangezogen wird. Anhand des textkritischen Befundes und der Auswertung der überlieferungsgeschichtlichen Tatsachen gelangt er zu einer gänzlichen Neubewertung des 1802/03 abgefassten Reinschriftentwurfs, der entgegen den Annahmen von Karl Rosenkranz und Rudolf Haym als Vorlage für eine eigenständige, jedoch dann nicht mehr realisierte Publikation zur "Critik des Fichteschen Naturrechts" gelesen werden muss.

Für diese Ausgabe wurden Orthographie und Interpunktion des Originals unter Wahrung des Lautstandes behutsam den heutigen Normen angeglichen.

Entgegen der Auffassung von G. Lasson, der den als Reinschriftfragment aus den Jahren 1802-03 in Hegels Nachlass überlieferten Text erstmals edierte, handelt es sich bei dieser Schrift nicht um eine frühe Vorarbeit zu Hegels eigener, später in vollendeter Gestalt vorgelegten Philosophie des objektiven Geistes, sondern – so Kurt Rainer Meist – um eine systematische Kritik an Fichtes Theorie des Naturrechts. Der Nachweis der richtigen Zuordnung dieser Schrift, die nun als eine Auseinandersetzung mit Fichte gelesen werden muss, kommt daher der Entdeckung gleich, dass eine bislang unbekannte Hegelsche Schrift erstmals der Öffentlichkeit zugänglich wird.