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Schöne Seelen, groteske Körper

Jean Pauls ästhetische Dynamisierung der Anthropologie


Studien zum achtzehnten Jahrhundert 26. 2003. X, 262 Seiten.
978-3-7873-1648-9. Gebunden
EUR 38,00


In "Schöne Seelen, groteske Körper" liest Maximilian Bergengruen die poetischen Texte Jean Pauls als Philosophie bzw. Anthropologie in Metaphern. Jean Pauls widersprüchliche Theoreme zum Thema der Einheit des ganzen Menschen werden, so Bergengruens Analyse, literarisch in Verbindung gesetzt, in Konflikt geführt und poetologisch reflektiert. Der Text bietet dem Leser die Möglichkeit, sich Jean Pauls Werk auf einem neuen Wege zu nähern.

Maximilian Bergengruen unternimmt in "Schöne Seelen, groteske Körper" die Überführung wissenschaftlicher Gedankenfiguren in die Narration Jean Pauls. Er liest die poetischen Texte des deutschsprachigen Romanciers als Philosophie bzw. Anthropologie in Metaphern und macht in dem Transfer philosophischer und anthropologischer Fragestellungen in die Prosa eine inszenatorische Kraft aus, welche die Texte Jean Pauls zu einer "ästhetischen Dynamisierung anthropologischer Theorien" werden läßt. Bergengruen erörtert die literarische Reflektion widersprüchlicher Theoreme zum Thema der Einheit des ganzen Menschen und macht den "Kampf der Extreme" bei Jean Paul zum Inhalt seiner Analyse. Die begriffliche Fassung der beiden unvereinbar erscheinenden Teile als schöne Seele und grotesker Körper trägt dabei dem Wechselverhältnis von Ästhetik und Anthropologie Rechnung.

Durch die Verortung der poetischen Texte Jean Pauls in die Anthropologie und die Integration von Theorieinformationen, Hintergründen der Ästhetik sowie philosophischen Fragestellungen in die Romananalysen gelingt es Bergengruen, eine Lücke in der Jean-Paul-Forschung zu schließen. Der vorliegende Text stellt somit ein wertvolles Zeugnis einer literaturwissenschaftlichen Neuorientierung dar und bietet dem Leser die Möglichkeit, sich Jean Pauls widersprüchlichen Konzepten von Spiritualismus und Materialismus auf einem neuen, spannenden Wege zu nähern.
In souveräner Art werden Jean Pauls Romane als 'Philosophie (bzw. Anthropologie) in Metaphern' (S. 5) vorgestellt. Nicht nur zeugen die 646 (!) Fußnoten und das umfassende Literaturverzeichnis von einer gründlichen Auseinandersetzung mit Werk und Editionen der Werke Jean Pauls, der Forschungsliteratur und dem anthropologischen Diskurs der Zeit, auch werden die verschiedenen und zum Teil äußerst komplexen Philosophien und Philosopheme in kurzer - aber nie verkürzender - und übersichtlicher Form vorgetragen, ohne den Hauptgedankengang des jeweiligen Kapitels aus den Augen zu verlieren; ein detailliertes Stichwort- und Personenregister ermöglicht bei Bedarf die gezielte Lektüre. [...] Mein Fazit lautet: Vorliegende Studie über Jean Pauls moderne Form der poetischen Transfiguration philosophischer Theorien bereichert die Jean-Paul-Forschung um wichtige Erkenntnisse - nicht zuletzt bezüglich des Stellenwertes der Philosophie Jacobis - und überzeugt vor allem durch die angenehme Souveränität, in der ihr Verfasser selbst die komplexesten Sachverhalte zu präsentieren weiß, ohne sich im Detail zu verlieren.
Ulrike Hagel im E.T.A. Hoffmann Jahrbuch (11 / 2003)

In sum, Bergengruen takes on the daunting task of presenting more or less the whole Jean Paul, a challenge that he tackles with remarkable erudition and precision. 'Schöne Seelen, groteske Körper' is a comprehensive and compelling study of Jean Paul, which not only offers many new insights but also provides a precise guide to the intellectual milieu in Germany around 1800.
Monatshefte, Vol. 94, 3, 2005

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