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Sämtliche Werke, Bd. 3. Theologisch-politischer Traktat


Herausgegeben von Wolfgang Bartuschat
Philosophische Bibliothek 093. 2012. Neu übersetzt, herausgegeben, mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Wolfgang Bartuschat. XLVI, 388 Seiten.
978-3-7873-2287-9. Kartoniert
EUR 24,90


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Als Spinoza und sein Amsterdamer Verleger den »Tractatus theologico-politicus« im Jahre 1670 anonym und mit fingierten Angaben zum Druckort veröffentlichen, geschieht dies aus gutem Grund: Kurze Zeit später, nach dem Sturz des liberalen Regenten de Witt und der Wiedereinsetzung der Oranierherrschaft, wird das Buch verboten.

Spinoza entwickelt in seinem Traktat, mit dem er auf die politische Situation seiner Zeit, aber auch auf theologische Repressionsversuche reagiert, die Grundlagen von Toleranz in der Religion und Liberalität in der Politik und plädiert vehement für die Freiheit philosophischen Denkens. Im ersten Teil (Kap. 1–15) wendet er sich gegen ein falsches Religionsverständnis der zeitgenössischen Theologen und legt – als einer der ersten Denker – die Bibel historisch-kritisch und nicht dogmatisch aus: Dabei unterscheidet er die in der Heiligen Schrift gelehrten ethischen Prinzipien, den wahren und mit der Vernunft nicht im Widerspruch stehenden Inhalt des Glaubens, von ihrer historisch bedingten Gestalt, in der sie in den biblischen Büchern überliefert sind. Frömmigkeit, der eigentliche Gegenstand der Religion, sei nur dann gegeben, wenn der Mensch Glaubensdogmen vor sich selbst vertreten könne, ihm die Freiheit des Urteilens also zugestanden würde.

Im zweiten Teil (Kap. 16–20) erörtert Spinoza die im Feld des Religiösen aufgewiesene Freiheit im Hinblick auf den besten Staat und zeigt, daß die Freiheit zu philosophieren die unabdingbare Voraussetzung für Frieden im Staat ist.

Die Neuausgabe des Textes enthält neben einer Einführung und erläuternden Anmerkungen des Herausgebers auch ein Verzeichnis der Bibelstellen sowie ein Namen- und Sachregister.