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Platons Erfindung. Des Wahnsinnigen Dichters

Ekstasis und Enthusiasmos als poetisch-religiöse Erfahrung


Zurück zum Heft: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft Band 51. Heft 1
EUR 14,90


Die Charakterisierung des Dichtungsakts als eines Zustands von Vernunftlosigkeit und Ekstasis ist nicht, wie Platon (gefolgt von vielen Interpreten bis heute) behauptet, eine uralte – angeblich auch bei den früheren Dichtern dokumentierte – antike griechische Tradition, sondern eine Erfindung Platons. Dazu gehört auch die Gleichsetzung dichterischer Inspiration mit göttlicher Besessenheit, die Platon als erster vollzieht. Platons subversive Erfindung des wahnsinnigen Dichters steht im Dienst seines Modells des Philosophen, der wie der Dichter über Enthusiasmos verfüge, aber anders als dieser auch über Intellektualität.

The characterization of the poetic act as a state of irrationality and ecstasis does not, as Plato pretends (followed by many interpreters until today), correspond to the oldest ancient Greek tradition – allegedly documented by the earlier poets as well –, but is Plato’s invention. As part of this invention Plato identifies for the first time in history poetical inspiration with divine possession. Plato’s subversive invention of the mad poet is the basis for his model of the philosopher who himself shall dispose of enthusiasm, as the poet does, but who shall moreover dispose of intellectuality.