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Philosophische Werke in sieben Bänden


Herausgegeben von Ruedi Imbach
Philosophische Bibliothek 463-466d. 2007. Italienisch/Lateinisch-Deutsch. Als Übersetzer, Kommentatoren, Verfasser von Einleitungen, Herausgeber bzw. als Beteiligte sind weiterhin zu nennen: Thomas Ricklin, Dominik Perler, Francis Cheneval, Tiziana Suarez-Nani, Roland Béhar. 7 Bände, 2.444 Seiten.
978-3-7873-1858-2. Leinen
EUR 199,00


Eines der Ziele dieser Ausgabe ist, die philosophischen Voraussetzungen der "Divina Commedia" durch neue und teilweise erstmals angefertigte deutsche Übersetzungen sowie umfangreiche Einleitungen und Kommentierungen der im engeren Sinne philosophischen Werke Dantes (1265-1321) zu erleichtern.

Doch sie erreicht weit mehr: Sie zeigt den Autor als originellen Denker, der nicht nur einen eigenständigen Beitrag zur Philosophie seiner Zeit geleistet, sondern, einem starken aufklärerischen Impetus folgend, den Adressatenkreis philosophischer Reflexionen von einer kleinen elitären Gruppe auf alle Menschen ausgeweitet hat. Dies führt sowohl zu einem Primat der praktischen Philosophie als auch zu einer Reformation der Sprache, in der philosophiert wird.

Band 1: Das Schreiben an Cangrande,
Band 2: Disputation über das Wasser und die Erde,
Band 3: Über die Beredsamkeit in der Volkssprache,
Band 4: Das Gastmahl I-IV

Mit dieser durchgängig zweisprachig angelegten Edition wird eine Korrektur der stark schulphilosophisch orientierten Historiographie des mittelalterlichen Denkens begründet und eine Ergänzung des gängigen Dantebildes vorgelegt.

Band 1: Das Schreiben an Cangrande
In seinem Schreiben an den Fürsten Cangrande behandelt Dante (1265–1321) literaturhistorisch relevante Fragen, wie z. B. jene nach den Bedeutungsebenen seiner »Commedia«. In den Ausführungen zur Frage nach der gegenseitigen Abhängigkeit von Sein und Wesen oder bei der Erklärung des zehnten Himmels, dem sog. Empyreum, legt Dante zudem auch in philosophischen und theologischen Fragekomplexen eigenständige Antworten vor.

Band 2: Disputation über das Wasser und die Erde
In der Beantwortung der für das geozentrische Weltbild aristotelisch-ptolemäischer Prägung zentralen Frage, welches der Elemente (Wasser oder Erde) höher liege, legt Dante in gut scholastischer Argumentationsweise seine kosmologischen Auffassungen dar. In der ausführlichen Einleitung wird die Naturphilosophie Dantes in ihren historischen Kontext eingebunden und bewertet.

Band 3: Über die Beredsamkeit in der Volkssprache
In dieser Schrift begründet Dante die Priorität der Volks- und Muttersprache vor der lateinischen Gelehrtensprache und fordert eine italienische Hochsprache. Er untermauert seine Ausführungen durch eine anthropologische Erörterung der menschlichen Sprachfähigkeit. Dank einer originellen Interpretation des biblischen Mythos vom Turmbau von Babel legt er eine vernünftig begründete Neubewertung der Vielfalt und der historischen Entwicklung der Sprachen vor.

Band 4: Das Gastmahl I. Buch I. Einleitung
Mit dem »Convivio«, dem ersten bedeutenden philosophischen Werk in der italienischen Volkssprache, sprengte Dante Alighieri (1265–1321) den verengten Rahmen der bildungselitären scholastischen Universitätsphilosophie. Der bedeutendste Dichter der Mittelalters setzt seine Einführung in die Philosophie als Gastmahl in Szene und macht durch Kommentierung einem nicht-universitären Publikum von Männern und Frauen den wahren philosophischen Gehalt seiner Kanzonen sichtbar. Ursprünglich als Kommentar zu 14 Gedichten angelegt, hat Dante das erste Buch als Einleitung zum gesamten Projekt konzipiert, in den weiteren drei Büchern jedoch nur noch je eine Kanzone ausgelegt.
Im ersten Buch des »Convivio« erläutert und verteidigt Dante sein Vorhaben. Es bietet den Zugang zu den nachfolgenden drei Büchern, in denen er zur inhaltlichen Vorstellung seiner Philosophie fortschreitet.

Band 4: Das Gastmahl II. Buch II
Im zweiten Buch kommentiert Dante das Gedicht »Voi che 'ntendendo il terzo ciel movete«. Während er in der buchstäblichen Auslegung die Geschichte seiner zwei großen Lieben erzählt und eine eindrückliche Darstellung des astronomischen Wissens seiner Zeit gibt, wird in der allegorischen Auslegung eine der besungenen Frauen mit der Philosophie identifiziert. Durch diese Reinterpretation wird das Liebesgedicht zu einer enzyklopädischen Darstellung des mittelalterlichen Wissenschaftssystems.

Band 4: Das Gastmahl III. Buch III
Das dritte Buch ist dem Lob der Philosophie gewidmet und beinhaltet eine Glückseligkeitslehre. Im Anschluß an die Erörterungen des Namens und die Bestimmung der wahren Philosophie entwickelt Dante eine Konzeption, wonach die Gott eigene Erkenntnis als Erkenntnis der Dinge in ihm selbst, insofern er deren Ursache ist, ebenfalls als Philosophie zu gelten hat.

Band 4: Das Gastmahl IV. Buch IV
Im vierten und letzten Buch, mit dem die Edition des »Convivio« abgeschlossen ist, interpretiert Dante sein Gedicht »Le dolci rime d'amor ch' i' solia« und erörtert die komplexe Frage der wahren Edelkeit. In diesem Rahmen diskutiert er den Umfang der kaiserlicher Macht und die Bedeutung des Römischen Reiches sowie das Verhältnis von Philosophie und Politik bzw. von philosophischer und politischer Kompetenz.
Die Bewertung des Römischen Reiches und die Erörterung der Autorität des Aristoteles für die Philosophie und das menschliche Denken schlechthin implizieren eine Stellungnahme zur Beziehung zwischen christlicher und antik-heidnischer Weltauffassung.
"Dante ist in der neuen Meiner-Ausgabe auch als philosophischer Autor zu entdecken, einer dem klar war, dass Denken auf Öffentlichkeit angewiesen ist, dass alle teilhaben können sollen an den Erkenntnissen der Wissenschaft.
Frankfurter Rundschau 29. November 2007
"Eine Schweizer Arbeitsgruppe hat den bedeutendsten deutschsprachigen Beitrag zur Dante-Forschung der letzten Zeit zum Abschluss gebracht. Unter Leitung von Ruedi Imbach (Paris, Freiburg) hat sie in sieben Bänden die philosophischen Schriften Dantes herausgegeben – übersetzt und erklärt. […] Es lässt sich absehen, dass diese Pionierarbeit den Blick auf Dante verändern wird; sie besitzt auch gegenüber der hochentwickelten italienischen Dante-Deutung ihren eigenen fachlichen Wert, denn die Texte sind sorgfältig ediert und minutiös kommentiert. […] Alles in allem: Die verdienstvolle Reihe von sieben Bänden öffnet einen neuen Weg zu Dante."
Neue Zürcher Zeitung am 3./4. Mai 2008
"Dante war Dichter, zugegeben. Aber wenn wir unter den herrschenden geschichtlichen Voraussetzungen der Szientifizierung der Philosophie und der Sentimentalisierung der Poesie Dante einen Dichter nennen, geraten wir unfehlbar in die Irre. Denn Dante war Philosoph. Dies wußten die Eingeweihten schon länger, aber jetzt belegen es für die deutschsprachigen Leser die vier Bände seiner philosophischen Werke."
Neue Zürcher Zeitung