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Der Zyklop in der Wissenschaft

Kant und die anthropologia transcendentalis


Herausgegeben von Francesco Valerio Tommasi
Archiv für Begriffsgeschichte, Sonderheft 14 (Jg. 2018). 2018. VI, 207 Seiten.
978-3-7873-3428-5. E-Book
EUR 73,99


Mit Texten von Norbert Hinske, Robert B. Louden, Anselmo Aportone, Clemens Schwaiger, Jean-François Goubet, Alexei N. Krouglov, Christoph Böhr, Gualtiero Lorini u.v.a.
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Wie bekannt unterscheidet Kant eine Anthropologie »in physiologischer Hinsicht« und eine »pragmatische« Anthropologie, aber die Anthropologie bleibt doch stets ein empirisches Wissen und besitzt
eindeutig keine apriorische Universalität. Umso mehr muss man sich über eine Reflexion aus dem handschriftlichen Nachlass wundern, wo Kant eine »anthropologia transcendentalis« erwähnt. Bei allen Vorbehalten
wegen der Singularität dieser Formulierung besitzt die Stelle eine wichtige Bedeutung und erfordert eine genauere Analyse. Denn in jener Reflexion erklärt Kant auch, dass der Gelehrte vermeiden müsse,
ein »Cyclop« zu werden, das heißt die Phänomene mit nur einem Auge zu betrachten. Dies sei nämlich die Haltung des »Egoisten der Wissenschaft «, der »seinen Kräften zu viel zutraut«.
Jeder Arzt, Theologe, Jurist, selbst Geometer hat Kant zufolge »noch ein Auge nötig, welches macht, dass er seinen Gegenstand noch aus dem Gesichtspunkte anderer Menschen ansieht«. Dieser Gesichtspunkt
steht hier ausdrücklich mit der »Critik« und der »Selbsterkenntnis« des menschlichen Verstandes und der menschlichen Vernunft in Verbindung: die Anthropologie wird hier also nicht nur als »transzendental
« charakterisiert, sondern sie wird auch in direkten Zusammenhang mit dem anderen entscheidenden zentralen Titelwort der reifen kantschen Philosophie gebracht: »Kritik«.

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