Eine unerhörte Kulturphilosophie

  • 21.11.2025
Eine unerhörte Kulturphilosophie

Gerade ausgeliefert haben wir Mirjam Schaubs fundamentalen Neuentwurf einer Kulturphilosophie der Radikalität in zwei Bänden, in denen die Autorin radikalen Praktiken in Philosophie, Politik und Gesellschaft, in Religion, Kunst und Kultur von der Antike bis in die jüngste Gegenwart nachspürt.
  
»Radikalität und der Riss zwischen Theorie und Praxis« entführt in verschiedene Jahrhunderte und Örtlichkeiten: in die griechische Antike, als ein Theoretiker noch ein fahrender Kulturbotschafter im Mittelmeerraum und eben kein Philosoph war; in das militante, frühe Christentum Nordafrikas; nach Venedig zu Zeiten der Pest, als ein einzigartiger Maskengebrauch entstand, der sich bis zur Guy-Fawkes-Maske des Hackerkollektivs Anonymous fortschreibt. Radikal ist, so die Autorin, was auf die Wurzeln zielt und sich anmaßt, die Kluft zwischen Imagination und Wirklichkeit, Theorie und Praxis mit vollem Körpereinsatz schließen zu wollen.

»Radikalität und der Mut zum Gebrauch des eigenen Lebens« bricht mit der Vorstellung, Populärkultur und Radikalität seien Gegensätze. Bei Jeremy Bentham, der bis heute als ›Auto-Icon‹ (1832) im University College of London sitzt, bei Max Stirner, der studentischen Bewegung um 1968 oder bei Marina Abramović wird eine radikal neue Form des Gebrauchs des eigenen Körpers gestiftet. Dieser queere und unorthodoxe Gebrauch bildet den Leitfaden, anhand dessen die Autorin Radikalität von der Stadtguerilla über radikale Kunstprojekte bis hin zu NFTs, Hackern und den Aktivistinnen und Aktivisten der »Letzten Generation« verfolgt – materialreich und mit einem ganz neuen Blick auf unsere Kultur.


Leserstimmen

Endlich ein Buch, das die Verdrossenheit dieser Zeitzone weiträumig umschifft. Warum? Weil es Feigheit und Faulheit mit Kreativität und Witz begegnet. […] Scheinbar mühelos verbindet es die Jahrhunderte und macht Lust auf ein unorthodoxes, aufregendes Denken.

Horst Bredekamp 

Was wir über Radikalität und Radikalisierung in Theorie und Praxis zu wissen glauben, wird hier so einfalls- wie materialreich, so überraschend wie anregend aufgemischt und durcheinandergebracht.

Eva Geulen 

Radikalität, so zeigt sich, kann einfach nur zerstörerisch sein, aber auch ›smart‹: Sie ist ein Kunstgriff, der es den Kulturen erlaubt, sich zu verändern, um bleiben zu können, was sie sind.

Ralf Konersmann

Radikalität ist die Nagelprobe auf die Unterscheidung zwischen Theorie und Praxis im Leben selbst. Diesem Gedanken geht Mirjam Schaub in einer beeindruckenden Studie nach, indem die stummen und lauten Stimmen des Radikalen von der Antike bis in die Gegenwart zum Sprechen gebracht werden.

Christian Bermes

[…] ein kluger, wunderbar erzählter Ritt durch 2500 Jahre Radikalitätsgeschichte mit Ausflügen in Politik, Kunst und Philosophie

Philosophie Magazin 01/2026


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