Gerade ausgeliefert haben wir Mirjam Schaubs fundamentalen Neuentwurf einer Kulturphilosophie der Radikalität in zwei Bänden, in denen die Autorin radikalen Praktiken in Philosophie, Politik und Gesellschaft, in Religion, Kunst und Kultur von der Antike bis in die jüngste Gegenwart nachspürt.
»Radikalität und der Riss zwischen Theorie und Praxis« entführt in verschiedene Jahrhunderte und Örtlichkeiten: in die griechische Antike, als ein Theoretiker noch ein fahrender Kulturbotschafter im Mittelmeerraum und eben kein Philosoph war; in das militante, frühe Christentum Nordafrikas; nach Venedig zu Zeiten der Pest, als ein einzigartiger Maskengebrauch entstand, der sich bis zur Guy-Fawkes-Maske des Hackerkollektivs Anonymous fortschreibt. Radikal ist, so die Autorin, was auf die Wurzeln zielt und sich anmaßt, die Kluft zwischen Imagination und Wirklichkeit, Theorie und Praxis mit vollem Körpereinsatz schließen zu wollen.
»Radikalität und der Mut zum Gebrauch des eigenen Lebens« bricht mit der Vorstellung, Populärkultur und Radikalität seien Gegensätze. Bei Jeremy Bentham, der bis heute als ›Auto-Icon‹ (1832) im University College of London sitzt, bei Max Stirner, der studentischen Bewegung um 1968 oder bei Marina Abramović wird eine radikal neue Form des Gebrauchs des eigenen Körpers gestiftet. Dieser queere und unorthodoxe Gebrauch bildet den Leitfaden, anhand dessen die Autorin Radikalität von der Stadtguerilla über radikale Kunstprojekte bis hin zu NFTs, Hackern und den Aktivistinnen und Aktivisten der »Letzten Generation« verfolgt – materialreich und mit einem ganz neuen Blick auf unsere Kultur.
Eine unerhörte Kulturphilosophie
- 21.11.2025
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