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Mikrokosmos

Ideen zur Naturgeschichte und Geschichte der Menschheit. Versuch einer Anthropologie


Herausgegeben von Nikolay Milkov
Philosophische Bibliothek 705a-c. 2017. Bd. 1: 544 Seiten Bd. 2: 480 Seiten Bd. 3: 670 Seiten. 3 Bände zusammen 1.694 Seiten.
978-3-7873-3180-2. gebunden
EUR 98,00
Erscheint im September 2017


Mikrokosmos war eines der meistgelesenen philosophischen Werke in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In drei Bänden 1856, 1858 und 1864 erschienen, enthält es Lotzes systematische Überlegungen zur Metaphysik und Logik, zur Psychologie und zur Ästhetik, ist jedoch in einer Sprache verfasst, die sich keineswegs nur an ein akademisches Publikum richtet. Zu Lotzes 200. Geburtstag liegt es jetzt, mit neuer Einleitung von Nikolay Milkov, wieder vor.


Hermann Lotze, der zu den bedeutendsten deutschen Philosophen des 19. Jahrhunderts zählt (und bis in die Zwanzigerjahre zu den meistdiskutierten gehörte), hat nicht nur den Neukantianismus und die Lebensphilosophie, sondern auch Husserls Phänomenologie und die frühe analytische Philosophie maßgeblich beeinflusst. Aufgrund seiner Doppelprofession als Philosoph und Mediziner steht Lotze im Zentrum der großen Transformationsbewegung im wissenschaftlichen Diskurs des 19. Jahrhunderts, die die Abtrennung der Wissenschaften von der idealistischen Philosophie und die Bemühung einer kritisch reflektierten Philosophie um Annäherung an die Erfahrungswissenschaften mit sich brachte. Lotzes Einsicht, dass der Mensch nicht mehr im Mittelpunkt der Natur steht, sondern „dislociert“ ist, weist in das Zentrum seines großen Werkes Mikrokosmos. Ideen zur Naturgeschichte und Geschichte der Menschheit (1856). Von ihm selbst in eine Linie mit Herders Ideen und A. v. Humboldts Kosmos-Schrift gestellt, liefert Mikrokosmos schon vor dem Erscheinen von Darwins Origin of Species (1859) eine hellsichtige Kritik des neuen Materialismus und der anthropologischen Grundproblematik unserer Epoche. Gegen den analytischen Geist in den Wissenschaften und gegen die Rastlosigkeit ihres Fortschritts hält er an der Vorstellung fest, dass jede Weltbeschreibung der Selbstdeutung des Menschen angemessen sein muss. Mit dem Begriff der „Dislocirung“ wird auf den Punkt gebracht, was noch knapp hundert Jahre später die philosophische Anthropologie beschäftigen wird: Die Stellung des Menschen in der Natur ist fragwürdig geworden, innerhalb des Gesamtprozesses vom Leben gibt es keine eindeutige Position mehr für den Menschen.