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Metaphysische Schriften


Herausgegeben von Wolfgang Vogt
Philosophische Bibliothek 594. 2008. Mit einer Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von Wolfgang Vogt. LIX, 330 Seiten.
978-3-7873-1871-1. Leinen
EUR 68,00


Diese neue Ausgabe der metaphysischen Schriften Mendelssohns, die neben der Evidenz- Abhandlung und den Morgenstunden die frühe Schrift Gedanken von der Wahrscheinlichkeit enthält, zeigt das Denken des jüdischen Philosophen in seiner Eigenständigkeit und Originalität.


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Moses Mendelssohn ist einer der wichtigsten Denker der deutschen Aufklärungsphilosophie. Seine Abhandlung über die Evidenz in Metaphysischen Wissenschaften gewann 1763 den Preis der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin, noch vor Kants Beitrag. Die Morgenstunden oder Vorlesungen über das Dasein Gottes, das Vermächtnis des "Sokrates von Berlin", waren der Ausgangspunkt des Pantheismusstreits, der zu den großen Debatten des 18. Jahrhunderts zählt.

In beiden Werken geht es Mendelssohn darum zu zeigen, daß die metaphysischen Beweise zu Unrecht in Verruf geraten sind, denn die Prüfung ihrer Gültigkeit ergibt, daß der Mensch trotz der Endlichkeit seiner Erkenntniskräfte das Dasein Gottes notwendig erkennen kann. Da der Streit um Gott weniger durch die logische Struktur seines Beweises als vielmehr psychologisch durch die hohe Komplexität des Gegenstandes entsteht, muß der Philosoph seine Begründung so faßlich wie möglich machen und die Erkenntnismöglichkeiten des gesunden Menschenverstandes berücksichtigen. Metaphysik kann nur dann allgemeine Anerkennung finden, wenn sie logische Strenge mit verständlicher Darstellung verbindet; keiner dieser beiden Aspekte darf den anderen verdrängen.

Diese neue Ausgabe der metaphysischen Schriften Mendelssohns, die neben der Evidenz-Abhandlung und den Morgenstunden die frühe Schrift Gedanken von der Wahrscheinlichkeit enthält, zeigt das Denken des jüdischen Philosophen in seiner Eigenständigkeit. Der Herausgeber begründet in seiner Einleitung, daß die gängigen Etiketten wie Eklektizismus oder Rationalismus Mendelssohns Denken nicht hinreichend bezeichnen.
Man kann dieses letzte Vermächtnis einer dogmatisierenden Metaphysik zugleich als das vollkommenste Produkt derselben [...] ansehen.
Immanuel Kant über die Morgenstunden

Jede Ausgabe ausgewählter Schriften hat natürlich allein dadurch einen Wert, dass sie Texte meist handlicher und günstiger bereitstellt, als dies bei Gesamtausgaben der Fall ist. Sie kann aber noch mehr erreichen: Ist die Wahl der Schriften geglückt, erhält der Leser nicht nur Zugang zu bestimmten Schriftstücken; er gewinnt durch das Vorhandene die Sicht auf das Ganze und damit Interpretationsmöglichkeiten in Bezug auf das gesamte OEuvre. Wolfgang Vogt ist dies mit seinem sorgfältig vorbereiteten Band gelungen. ... Wolfgang Vogts Band - ein wertvolles Studienbuch zu Mendelssohns Metaphysik - ist keine Wiederholung dessen, was es bereits gibt; er schließt eine erhebliche bibliographische Lücke in der Literatur von und über Moses Mendelssohn.
PaRDeS : Zeitschrift der Vereinigung Jüdischer Studien 15 (2009)

Damit bietet der Band eine gelungene Auswahl zentraler Mendelssohn-Texte, die es erlaubt, einen wichtigen Moment der Philosophiegeschichte, in dem man sich bereits im Angesicht einer tiefen Krise wußte, wie unter dem Vergrößerungsglas zu betrachten.
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