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Kreisfahrten

Überlegungen zum ästhetischen Potential eines filmischen >Stilmittels<


Zurück zum Heft: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft Band 51. Heft 2
EUR 14,90


„Kreisfahrten sind ein derart alltägliches Stilmittel geworden, daß sich eine Abnutzung spürbar macht“. Zu dieser keineswegs heterodoxen Einschätzung kam jüngst ausgerechnet der ›Altmeister‹ dieser Technik, Michael Ballhaus. Daß sie, wie von filmwissenschaftlicher Seite zu lesen ist, allein durch ihre „Steigerung ins Extrem“ (P. Riedel) ästhetisch wieder produktiv gemacht werden könne, beruht (nicht anders als der Abgesang von Ballhaus) auf der irrigen Annahme, Kreisfahrten seien ausschließlich als Stilmittel zu verrechnen. Anhand dreier Filme – Vertigo, Casualties of War und Lola rennt – versucht der Beitrag deutlich zu machen, daß das ästhetische Potential der Kreisfahrten nicht durch das vermeintliche Stilmittel allein, das isoliert über ein nur sehr schmales Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten verfügt, sondern durch seine Integration in und seine Determination durch ein filmisches Aussagesystem bestimmt und freigesetzt werden kann.

The following article deals with the arc shot camera technique, which is often dismissed as stylistic play (as the famous director of photography Michael Ballhaus, for instance, has argued). The article will have a look at three films – „Vertigo“, „Casualties of War“, and „Lola rennt“ (›Run Lola, Run‹) – to explore the often underrated aesthetic potential of the arc shot device. My thesis is that we better understand the aesthetic function of camera technique if we view the arc shot in terms of its interplay with the films' underlying system of semiotic codes.