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Kreation und Zeit

Proust über Inspiration


Zurück zum Heft: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft Band 51. Heft 1
EUR 14,90


Das Inspirationskonzept ist für Prousts selbstreflexive Bestimmung künstlerischer Produktion von zentraler Bedeutung (dies läßt sich durch eine Analyse von Textstellen sowohl aus dem letzten Teil von Prousts Recherche als auch aus dem Kontext von Jean Santeuil und Contre Sainte-Beuve zeigen). Prousts spezifische Bestimmung der Inspiration als etwas, das auf intellektuelle Arbeit nicht verzichten kann, unterminiert jedoch antiintellektualistische platonische Dichtungslehren. Dies impliziert zudem, daß Proust die Kluft zwischen Künstlern und Nicht-Künstlern für unüberbrückbar erklärt. Inspiration ist für Proust etwas Verzauberndes, weil sie wiedergefundene Zeit ist, die jedoch erst im poetischen Kreationsprozeß Gestalt gewinnt.

The concept of inspiration occupies a central position in the realm of Proust’s self-reflexive evaluation of artistic production (as can be demonstrated by an analysis of passages bothfrom the last part of Proust’s ›Recherche‹ and from the context of ›Jean Santeuil‹ and ›Contre SainteBeuve‹). Yet by evaluating inspiration as something that could not do without intellectual work, Proust undermines anti-intellectualistic platonizing poetics. In addition, this implies that Proust declares the gap between artists and non-artists as unbridgeable. For Proust, inspiration is enchanting because it is time regained, but takes shape only in the process of poetic creation.