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»Dieses ist vor dem Bilde unmöglich.«

Die romantische Idee des Kunst-Museums


Zurück zum Heft: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft Band 56. Heft 1
EUR 14,90


Im Laufe des 18. Jahrhunderts ändert sich in Deutschland die Zugänglichkeit von Kunst grundlegend: Fürstliche Sammlungen werden dem allgemeinen Publikum geöffnet, nur der Kunst gewidmete Museen werden eingerichtet. Diese Entwicklung zeigt eine bemerkenswerte Parallele zur gleichzeitigen Ausbildung einer philosophischen Ästhetik und deren Konzeption einer Kunstautonomie, der Kant dann eine umfassende theoretische Begründung gibt, derart, dass die Momente des Schönen, die Kant in der Kritik der Urteilskraft herausarbeitet, als konstitutive Merkmale der Kunstmuseen wiedergefunden werden können. Die romantische Bewegung bekräftigt diese Entwicklung in ambivalenter Weise. Die allgemeine Zugänglichkeit von Kunst kommt ihrem Auf heben von Grenzen entgegen, nötigt aber auch, neu zwischen dem Sein des Kunstwerks und dem des Betrachters zu unterscheiden, was gegenläufig zum Anlass einer ›Romantisierung‹ des Kunstwerks wie des Betrachters wird. Das wird an August Wilhelm Schlegels Kunstgespräch Die Gemählde herausgearbeitet, weiter an Friedrich Schlegels Nachricht von den Gemählden in Paris und dem Echo Kleists hierauf in seiner Cäcilienerzählung sowie am Essay über Caspar David Friedrichs Bild Mönch am Meer, der von Clemens Brentano und Achim von Arnim verfasst und von Kleist grundlegend umgearbeitet worden ist.

The accessibility of art in Germany underwent a fundamental change over the course of the 18th century. Aristocratic collectors opened their doors to the general public, and new museums were dedicated exclusively to art. This development parallels the concurrent development of aesthetics in philosophy and the conception of the autonomy of art. Its theoretical foundation was provided by Kant in his third critique with such completeness that the standards of beauty he worked out emerge as constitutive elements of the art museum. The Romantic movement reinforced the trend in what proved to be an ambivalent way. The general accessibility of art was well suited to its transgression of boundaries, but it necessitated a new, less contingent mode of demarcation between the work of art and the observer. That became an occasion for »Romanticization« of both the artwork and its audience, demonstrated here by August Wilhelm Schlegel’s conversation on art Die Gemählde. It is further elucidated by Friedrich Schlegel’s Nachricht von den Gemählden in Paris and its echo in two texts published by Kleist: The novella Die Heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik and the essay on Caspar David Friedrich’s painting Mönch am Meer that was drafted by Clemens Brentano and Achim von Arnim and radically modified by Kleist.