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Die Wiederholung und die Bilder

Zur Philosophie des Erinnerungsbewußtseins


Blaue Reihe. 2007. 443 Seiten.
978-3-7873-1846-9. Kartoniert
EUR 29,90


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Seit der Antike haben sich Philosophen sehr aufmerksam und eindringlich mit 'memoria' und 'reminiscentia', mit Gedächtnis und Erinnerung beschäftigt. Erst in der Neuzeit und insbesondere in der Moderne ist das Thema "Erinnerung" zu einem Problemtitel geraten, und zwar wegen der Bilder, in denen unser Erinnern sich veranschaulicht. War es doch Immanuel Kant, der die fatale Behauptung aufgestellt hat: "wenn man den Begriff nicht von Bildern ablösen kann, wird man niemals rein und fehlerfrei denken können". Seitdem fällt es den Philosophen schwer, in und mit Bildern zu denken, und manche, zum Beispiel Edmund Husserl, wollten darum die Bilder aus der Erinnerung vertreiben. Das aber hat bedenkliche Folgen für unser Verständnis von Bewußtsein, Subjektivität und Personalität. Die Rede von der Erinnerungsvergessenheit der Philosophie ist jedenfalls nicht unbegründet - deshalb habe ich dieses Buch geschrieben. Und ich habe mich bemüht, es so zu schreiben, daß es auch für denjenigen noch lesbar bleibt, der im "Fach Philosophie" nicht zuhause ist; denn wer ein bewußtes Leben führen will, muß das im flüchtigen Strom seiner Erinnerungsbilder tun.
Stephan Otto
Mit Stephan Ottos Ausführungen zur Erinnerung liegt ein nicht nur kenntnisreiches, sondern auch thesenstarkes Buch vor, dessen programmatisches Grundanliegen es ist, die nur in kulturwissenschaftlicher und literarischer Hinsicht virulente Erinnerungsthematik ins Zentrum philosophischer Betrachtung zu rücken. ... Über die Frage nach bild- oder nicht-bildhafter Erinnerung, die auf die nach der Anschaulichkeit oder Abstraktion des Denkens überhaupt verweist, wird deutlich, dass es bei memoria um nichts Geringeres geht, als um den Stellenwert der aisthesis, der Wahrnehmung, Sinnlichkeit und Konkretion unseres Weltzugreifens und Selbstbegreifens. Das Bild nun provoziert die Frage, inwiefern dem Denken selbst Sinnlichkeit zukommt, und zwar nicht in Form einer Analogie, sondern in Form einer in Erinnerungsbildern verbürgten Sinnlichkeit des Denkens selbst, die einen Erkenntnisgegenstand von eigener Erkenntniskraft bilden. Sie zieht ihre besondere Relevanz aus der Ausbildung der Person als einer qua Erinnerungsfähigkeit charakteristisch gebildeten Persönlichkeit. Dabei erhellt Otto - und dies ist eine besondere Qualität seiner Darstellung der Erinnerungstheorien - jeweils auch die philosophischen Kontexte und Rahmenbedingungen.
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