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Die Interdisziplinarität der Begriffsgeschichte


Herausgegeben von Gunter Scholtz
Archiv für Begriffsgeschichte, Sonderheft 01 (Jg. 2000). 2000. 200 Seiten.
978-3-7873-1559-8. Kartoniert
EUR 68,00


Mit der fortschreitenden Spezialisierung der Wissenschaften wird auch der Ruf nach Interdisziplinarität lauter. Die Begriffsgeschichte wird in diesem Zusammenhang selten oder nie erwähnt. Dabei hat sie fast immer eine interdisziplinäre Ausrichtung gehabt: macht sie doch deutlich, wie verschiedene Disziplinen ihre Begriffe oft aus demselben Sprachmaterial und denselben Traditionsbeständen formen, wie Begriffe nicht an Disziplingrenzen halt machen, sondern mehrere Bereiche durchkreuzen und wie ganze Kulturen durch ein Arsenal leitender Begriffe geprägt sind. Jeder Begriffshistoriker wird deshalb in der Regel über die Grenzen seines Faches hinausgeführt. Einschlägige Handbücher dokumentieren inzwischen jene Bewegungen der Sprache und die Verkettung der Disziplinen auch für einen größeren Benutzerkreis, und bei der begriffshistorischen Lexikographie kooperieren Vertreter unterschiedlichster Fächer.

Der Band macht die Ergebnisse einer internationalen Tagung zugänglich, auf der sich Herausgeber und Mitarbeiter aller gegenwärtigen Großprojekte zur Begriffsgeschichte getroffen hatten, um den interdisziplinären Aspekt dieser Geschichtsschreibung an Beispielen vor Augen zu führen und in seiner Reichweite zu erörtern.

Inhalt: Irmline Veit-Brause. Die Interdisziplinarität der Begriffsgeschichte als Brücke zwischen den Disziplinen. – Hermann Lübbe. Begriffsgeschichte und Begriffsnormierung. – Franz Hubert Robling. Rhetorische Begriffsgeschichte und Kulturforschung beim „Historischen Wörterbuch der Rhetorik“. – Karlheinz Barck. „Ästhetik“: Wandel ihres Begriffs im Kontext verschiedener Disziplinen und unterschiedlicher Wissenschaftskulturen. – Martin Fontius. Kommentar zu K. Barck. „Ästhetik“: Der Wandel ihres Begriffs im Kontext verschiedener Disziplinen. – Harald Fricke. Begriffsgeschichte und Explikation in der Literaturwissenschaft. – Albrecht Riethmüller. Ton alias Klang. Musikalische Elementarterminologie zwischen den Disziplinen. – Martin Seils. Interdisziplinäre Bezüge der theologischen Begriffsbildung im Bereich des Verständnisses von „Glaube“. – Ulrich Dierse. Von der religiösen zur dichterischen Sprache: Anton Reisers Selbstreflexionen. – Rolf Reichardt. Wortfelder – Bilder – semantische Netze. Beispiele interdisziplinärer Quellen und Methoden in der Historischen Semantik. – Melvin Richter. Conceptualizing the Contestable: Begriffsgeschichte and Political Concepts. – Kari Palonen. Die Umstrittenheit der Begriffe bei Max Weber. – Winfried Schröder. Was heißt „Geschichte eines philosophischen Begriffs“? – Sven K. Knebel. Haben Begriffe Geschichte? – Gunter Scholtz. Begriffsgeschichte als historische Philosophie und philosophische Historie.
Für frischen Wind verspricht ein Karlfried Gründer gewidmeter Sonderband des Archivs für Begriffsgeschichte zu sorgen, der mit einer markanten These hervortritt. Die Begriffsgeschichte, so besagt diese These, ist das Korrelat, wenn nicht die Bedingung für die praktische Verwirklichung der Interdisziplinarität der Wissenschaften. Die These hat zweifellos ihren Reiz. Zum einen verhilft sie der von den Selbstverständlichkeiten ihrer eigenen Routine bedrohten Begriffsgeschichte zu unverhoffter Aktualität. Zum anderen lädt sie dazu ein, zeitgenössische Erwartungen mit den älteren Zwecksetzungen des begriffsgeschichtlichen Konzepts zu verknüpfen, die Hermann Lübbe in dem vorliegenden Band nocheinmal in Erinnerung bringt [...].
Neue Zürcher Zeitung

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Tropen und Metaphern im Gelehrtendiskurs des 18. Jahrhunderts

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