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Der Materialismus-Streit, der Darwinismus-Streit und der Ignorabimus-Streit

Texte von L. Büchner, H. Czolbe, L. Feuerbach, I. H. Fichte, J. Frauenstädt, J. Froschammer, J. Henle, J. Moleschott, M. J. Schleiden, C. Vogt und R. Wagner u.a.


Philosophische Bibliothek 618-620. 2017. 3 Bände, zusammen CI, 1.099 Seiten.
978-3-7873-3134-5. gebunden
EUR 39,80


Die heute oft vorherrschende Meinung, nur die Naturwissenschaften seien in der Lage, uns das richtige Weltbild zu geben, bedarf der Korrektur. Mit diesen drei Bänden werden erstmals zusammenhängend die Originaltexte der drei weit über das 19. Jahrhundert hinaus einflussreichen Debatten zum Materialismus, Darwinismus und Ignorabimus präsentiert, in deren Verlauf den Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert diese Rolle zugesprochen wurde. Bis heute haben viele der damaligen Streitpunkte nichts von ihrer Brisanz verloren.


Der Materialismus-Streit
Im Materialismusstreit der 1850er Jahre prallen die oft provokativ vorgetragenen Positionen des naturwissenschaftlich-weltanschaulichen Materialismus auf Positionen, die die Naturwissenschaften mit den traditionellen religiösen Überzeugungen bruchlos verbinden zu können glauben. Jenseits aller lautstarken Polemik werden in diesem Streit die Erklärungskompetenzen der Religion, der Philosophie und der Naturwissenschaften neu gegeneinander abgegrenzt – wobei der Philosophie eine vermittelnde Rolle zufällt.

Der Darwinismus-Streit
Darwins bahnbrechendes Werk „Über die Entstehung der Arten“ (1859) löste eine neue Debatte aus, die weniger durch wissenschaftliche Forschung als durch weltanschauliche Proklamationen geprägt war. Von Seiten des weltanschaulichen Materialismus wurde der Darwinismus wegen seiner Eliminierung eines zwecksetzenden göttlichen Verstandes als unverhoffte Bestätigung angesehen und als eine neue und zudem wissenschaftlich abgesicherte Schöpfungstheorie rezipiert und zum Schlüssel für die Lösung aller wissenschaftlichen und philosophischen Rätsel stilisiert.

Der Ignorabimus-Streit
In diesem Streit – ausgelöst durch Emil Du Bois-Reymonds Vortrag „Über die Grenzen des Naturerkennens“ (1872) – ging es nicht mehr um die Abgrenzung der Erklärungskompetenzen von Religion, Philosophie und Naturwissenschaft, sondern um die Frage, ob der so erfolgreichen Naturwissenschaft ebenfalls Erkenntnisgrenzen gesetzt seien. Die Behauptung, es gebe Bereiche, die der Wissenschaft nicht nur mit den damaligen Mitteln, sondern prinzipiell verschlossen blieben, schien ihren universalen Erklärungsanspruch zu unterminieren.
"Als überaus lebendige Philosophiegeschichte unbedingt lesenswert."
Stefan Diebitz in Der blaue Reiter 1/2013