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Briefe über China (1694-1716)

Die Korrespondenz mit Barthélemy Des Bosses S.J. und anderen Mitgliedern des Ordens


Philosophische Bibliothek 693. 2017. Kommentiert von Rita Widmaier und Malte-Ludolf Babin. Textauswahl und Einleitung von Rita Widmaier. Textherstellung und Übersetzung von Malte-Ludolf Babin.Französisch/ Lateinisch/Italienisch - Deutsch. CLXXI, 660 Seiten.
978-3-7873-3102-4. Leinen
EUR 148,00


Der Briefwechsel zwischen Leibniz und einem Gelehrtennetzwerk um den Jesuitenpater Des Bosses zeigt einen der ersten Versuche in der europäischen Geschichte, die Kultur Chinas zu verstehen, und reflektiert gleichzeitig die Politik der Kurie China gegenüber. Zugleich ist er wichtig für das Verständnis der Leibniz'schen Metaphysik.


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Leibniz’ Briefwechsel mit dem gelehrten Jesuitenpater Barthélemy Des Bosses in den Jahren 1706–1716 zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen seiner Metaphysik. Ab 1709 gewinnt auch das Thema China rasch an Bedeutung; am Ende teilt Leibniz seinem Korrespondenten mit, er habe soeben seinen „Discours sur la théologie naturelle des Chinois“ vollendet.
In dieser Zeit bewirkt die unklare, tatsächlich aber negative Haltung Papst Clemens’ XI. gegenüber der Gesellschaft Jesu und deren Chinamission eine rasante Verschlechterung der Situation im sogenannten Ritenstreit, so dass die »chinesische Frage« bald zu einem Kernthema des Briefwechsels wird. Daran beteiligen sich so einflussreiche Geistliche wie Kardinal G.B. Tolomei, F. Orban und J.R. Tournemine und erhellen durch hier erstmals edierte und kommentierte Lageberichte und Neuigkeiten in Briefen und Mitteilungen aus Rom, Paris und Lissabon, aber auch aus Peking, Kanton, Jinan oder der Großen Tatarei die jeweils aktuelle Lage.
Wie Leibniz in der Spätphase seiner Metaphysik über die Natürliche Theologie der Chinesen urteilte und was er über die fatalen Wirkungen der römischen Politik in China wusste, erschließt sich – nach dem ersten Teil seiner Korrespondenz mit den Jesuitenmissionaren selbst (Philosophische Bibliothek Band 548) – in diesem zweiten Teil seines Briefwechsels über China in europäischer Perspektive. Der Band wird eingeleitet und abgerundet durch die Edition von Leibniz’ auch unter den Zeitgenossen bekanntestem Text zum Verhältnis von China und Europa: der bislang inhaltlich nicht befriedigend erschlossenen Vorrede zu seinen „Novissima Sinica“.
"Dank der ausführlichen, kenntnisreichen Einleitung und der materialreichen Anmerkungen (zusammen schon über 300 Seiten), sowie des hilfreichen Personen- und Sachverzeichnisses wird der Band fraglos neue Perspektiven erschließen, die weit über Leibniz hinausgehen." Hans Poser, 06.03.2017
"Die Briefe belegen, wie vielschichtig das Interesse Leibniz’ an chinesischer Sprache, Schrift und Kultur war. Und sie belegen, dass er weiter dachte als mancher Zeitgenosse. Im Jahr 1704 verhängte Papst Clemens XI. ein „Ritenverbot“ für die zum Christentum übergetretenen Chinesen – zum Entsetzen der Jesuiten in Peking. Und zum Ärger von Leibniz. Damit war das Ende der Mission in China eingeläutet. Das Christentum wurde schließlich verboten und in den Untergrund gedrängt. Und im europäisch-chinesischen Kulturaustausch begann eine lange Durststrecke." Simon Benne, Hannoversche Allgemeine Zeitung, 07.09.2017
"Der besondere Wert der schönen Edition liegt darin, daß die Texte erstens zweisprachig präsentiert werden, zweitens kommentiert sind und drittens durch Personen- und Sachregister erschlossen wurden. Viertens ist auch ein Schriftenverzeichnis zu erwähnen, das die Stellen anführt, an denen diese Schriften im Text vorkommen. Somit liegt ein Band vor, der sehr vielfältig nutzbar ist und in jede anspruchsvollere Sammlung zu Leibniz gehört." Till Kinzel, Informationsmittel (IFB) : digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft, 20. Sep
"Mit umfangreichen Anmerkungen, Indizes, Verweisen, Kommentaren und Einleitung sowie der elegant lesbaren babinschen Übersetzung verschafft das Buch wichtige Orientierung in der enormen Fülle des historischen Materials. Der dramatische Plot, das Scheitern des chinesisch-europäischen Kulturaustauschs unter dem Vorzeichen religiöser Missionierung, liest sich Brief für Brief spannend wie ein Krimi." Cornelius Zehetner, Polylog 38/2017