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Bildliche Darstellung und die Simulation der Wahrnehmung


Zurück zum Heft: Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft Band 56. Heft 2
EUR 14,90


Thema des Aufsatzes ist ein neuer Vorschlag zur Erklärung der bildlichen Darstellung. Der Vorschlag geht aus von phänomenologischen Bildtheorien, denen zufolge Bilder primär etwas sichtbar machen. Diese Sichtbarmachung wird als eine Leistung des Imaginationsvermögens gedeutet, die Imagination wiederum als Leistung des Vermögens zur Simulation im kognitionspsychologischen Sinne der partiellen Wiederholung von Prozessen, nicht der Imitation von Resultaten. Die bildliche Darstellung besteht dann darin, dass ein Bild mit bildlichen Mitteln die Wahrnehmung des Dargestellten simuliert; Bilder sind Anlass und Anleitung zu einer solchen Simulation. Entscheidend hierbei ist der Zusatz »mit bildlichen Mitteln«. Die bildgestützte Simulation unterliegt anderen Bedingungen als die Wahrnehmung und die Imagination; daher werden die Wahrnehmungsprozesse nicht einfach kopiert, sondern unter anderen Voraussetzungen neu aufgebaut. Genauso gut können sie aber auch modifiziert und variiert werden. Dabei spielt die Materialität des Bildes eine entscheidende Rolle, denn die materiellen Bedingungen des Bildes – beispielsweise sein Rahmen und seine Flächigkeit – sind weniger Beschränkungen der Darstellung als vielmehr Werkzeuge, um in der Simulation die Wahrnehmungsprozesse neu zu gestalten.

The paper presents a new proposal how to explain pictorial representation. Starting point is the phenomenological idea that pictures, in the first place, make something visible (instead of being a sign of something). Making something visible is taken as an achievement of the faculty of imagination, and the faculty of imagination in turn is taken to be a variety of our faculty to simulate (referring here to the concept of simulation as it is used in contemporary cognitive psychology, according to which the ability to simulate e.g. other minds is the ability to reenact somebody else’s cognitive processes). Taken together, these pieces come down to the claim that pictorial representation of some x is simulating the perception of x with pictorial means; pictures prompt and guide such a simulation. Crucial is the addition »with pictorial means«. Picture-based simulation has constraints, which differ from those of perception and imagination. Therefore, in picture-based simulation perceptual processes are not simply copied but re-modeled and open to modification. The primary means of such modification are provided by the properties of pictures as material objects, such as their having a frame which encloses a two-dimensional surface. Therefore, being a material object promotes and shapes pictorial representation, instead of hampering it.