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Ausweg aus dem Sein


Herausgegeben von Alexander Chucholowski
Philosophische Bibliothek 567. 2005. De l'evasion Französisch–deutsch. Übersetzt und mit einer Einleitung und Anmerkungen versehen vom Herausgeber. Mit den Anmerkungen von Jacques Rolland. XXV, 102 Seiten.
978-3-7873-1712-7. Kartoniert
EUR 19,90


"Ausweg aus dem Sein" (De l'évasion), das zuerst 1935 in den "Recherches Philosophiques" veröffentlicht wurde, ist laut der Biographin von Levinas, Marie-Anne Lescourret, "sein allererster persönlicher Text". Doch weit mehr handelt es sich bei diesem Text um den Grundstein Levinasschen Denkens, das mit einer grundlegenden Abrechnung mit der ontozentristischen Philosophie Heideggers, einem Auflehnen gegen die Totalität und Omnipräsenz des Seins, gegen seinen Lastcharakter, der das Dasein zu erdrücken droht, anhebt.

Ausgehend von den Erfahrungen des Unwohlseins (malaise), der Scham (honte) und des Ekels (nausée), die Ausdruck unseres Ausgeliefertseins gegenüber dem reinen Sein sind, will Levinas den Anspruch des Idealismus, Philosophie der Freiheit zu sein, erneuern und setzt der Heideggerschen Sorge um das Sein die Sorge um einen Ausweg aus dem Sein entgegen. Liegt der Mensch überall in Ketten, nämlich denen des eigenen Seins, sein Sein sein zu müssen, so bedeutet Philosophie Auflehnung gegen diese Versklavung, Ausweg aus dem Sein. Allein ein solcher Ausweg verhindere Barbarei und verspreche ein "Ideal von Glück und menschlicher Würde". Damit ist dieser Text, zusammen mit "Quelques réflexions sur la philosophie de l'hitlérisme", zugleich ein Text, der das Drama der nationalsozialistischen Barbarei philosophisch antizipiert.
Die vorliegende Ausgabe bietet durch ihre Zweisprachigkeit die Möglichkeit einer Versicherung des Gelesenen über die Konfrontation des Geschriebenen mit dem Übersetzten, über eine Konfrontation, die Wege zum Verständnis öffnet. Zusätzlich tun dies die kluge und einfühlsame Einleitung des Herausgebers Alexander Chucholowski und die belesene Kommentierung durch Jacques Rolland. Eine mustergültige Ausgabe, die eine Wort-für-Wort-Lektüre herausfordert und eine Arbeit des Denkens einfordert, die dieses Denken auf sein eigenes Gewordensein zurückdrängt und es damit in die Suche nach einem Ausweg aus dem Sein mit einbezieht.
Prof. Dr. Oswald Schwemmer